Problemstellung

Moore haben bedeutende Funktionen als spezifische Lebensräume, darüber hinaus stellen sie wichtige Senken und Speicher im Wasser- und Stoffhaushalt dar. Die meisten Moore sind in der Vergangenheit durch anthropogene Eingriffe stark degeneriert, was die natürlichen Funktionen stark reduziert bzw. sogar ins Gegenteil verkehrt. Diese Prozesse stehen im Widerspruch zu nationalen und internationalen Qualitätsanforderungen, Gesetzesvorgaben und Richtlinien. Der Schwerpunkt in der Vergangenheit initiierter Pilotprojekte zur Wiedervernässung lag auf den großflächigen Mooren in landwirtschaftlicher Nutzung. Den zumeist kleineren Waldmooren wurde bisher weniger Beachtung geschenkt. Diese Waldmoore, die in ihrer Summe große Flächen bedecken, beherbergen größtenteils bedeutsame Lebensräume und unterstehen damit dem Schutz diverser nationaler und internationaler Richtlinien und Gesetze. Dennoch sind fast alle Waldmoore Deutschlands durch direkte und indirekte Entwässerung und Eutrophierung akut gefährdet. Die wenigen bisher durchgeführten Restaurierungsversuche laufen vielerorts nach einem „Zufallsprinzip“. Übertragbarkeit und Umweltentlastungen entsprechen dann oft nicht den Erwartungen. Auswahlkriterien, Leitbilder sowie Indikatoren zur Entscheidungsfindung und Erfolgskontrolle bleiben vielerorts unberücksichtigt bzw. sind wenig transparent und nachvollziehbar.

 

Zielstellung

Es ist Ziel des geplanten Vorhabens, ein Instrument für den Schutz und das Management von Waldmooren zu entwickeln. Aus dem vorhandenen Pool von allgemeinen Handlungs-empfehlungen, Leitfäden, etc. soll ein Entscheidungssystem für Praktiker entwickelt werden, das es ermöglicht, für ein individuelles Moor eine angepasste, optimale Handlungsempfehlung zu finden. Aufgrund der Komplexität der Moore, der Leitbilder und Zielvorstellungen sowie der Maßnahme (-programme) sind herkömmliche Leitfäden und Bildungsveranstaltungen häufig nicht ausreichend, die Akteure in die Lage zu versetzen, die komplexen Ursache-Wirkungsbeziehungen zu prognostizieren. Deshalb ist es erforderlich, vorhandenes Wissen und Erfahrungen zu sammeln, zu komprimieren, zu bewerten und dem Praktiker zur Verfügung zu stellen. Dazu bietet sich die Aufbereitung in einem Decision Support System an. Im Rahmen des Projektes sollen insbesondere die folgenden Fragen beantwortet werden:

  • Wie und mit welchen Methoden ist der momentane Zustand der Waldmoore zu bewerten?
  • Welche Ziele und Leitbilder lassen sich daraus ableiten?
  • Welche Maßnahmen sind geeignet, diese Ziele zu erreichen?
  • Welche Kombinationen von Einzelmaßnahmen sind sinnvoll?
  • Wie und nach welchen Kriterien lassen sich die Maßnahmen bzw. deren Kombination gegeneinander abwägen?
  • Wie können die Konsequenzen dieser Maßnahmen quantifiziert und für die Bewertung von Zielerreichungsgraden verwendet werden?
  • Wer sind die relevanten Akteure? Was sind die in diesem Zusammenhang maßgeblichen Widerstände?
  • Wie kann künftiger Waldmoorschutz in die Förderkulisse der Länder oder des Bundes integriert werden?

Das DSS-WAMOS (Decision Support System - WAldMOorSchutz) wird ein Informationssystem sein, das komplexe Probleme strukturiert und von den Zielgruppen webbasiert und interaktiv genutzt werden kann. Die Ergebnisse sollen darüber hinaus in einer Publikation (Handbuch o.ä.) bereitgestellt werden. Die enge Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Verwaltung und privaten Waldbesitzern als Kooperationspartner sowie als Mitglieder des einberufenen Projektbeirates soll eine konstruktive iterative Entwicklung und Anpassung des Systems gewährleisten. Die Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern soll garantieren, dass Erfahrungen und Informationen aus dem „Waldmoorschutzprogramm“ in Brandenburg und dem „Moorschutzprogramm“ in Mecklenburg-Vorpommern einfließen bzw. bereitgestellt werden können. Modellhaft soll das Verfahren für die Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern entwickelt und verifiziert werden. Parallel dazu werden die Bedingungen für eine bundesweite Nachnutzung geprüft. Hier konnten verschiedene Forst- und Naturschutzeinrichtungen moorreicher Bundesländer gewonnen werden, so dass Untersuchungen in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein möglich sind. Der Stand des Wissens und die Vorgehensweise zum Schutz und zur Renaturierung von Waldmooren sind in den drei genannten Ländern unterschiedlich.

Projektbeschreibung

Die gewählte Methode zur Beseitigung bzw. Beschränkung der Defizite im Waldmoorschutz ist ein Entscheidungsunterstützungssystem. Das (Pilot-) DSS ist zunächst als ein erfahrungs-(experten-) basiertes System konzipiert. Die Zusammensetzung der Kooperationspartner bzw. Mitglieder im Beirat wird eine praxisrelevante, zielführende Anwendung gewährleisten. Aus diesem Grund wird nach der ersten Phase der Literaturrecherche, Aufarbeitung der aktuellen Diskussion zum Moorschutz und der Erarbeitung der grundsätzlichen DSS-Struktur ein Workshop organisiert. Auf dem Workshop werden der Entwurf des DSS und das Vorgehen vorgestellt sowie die Erfahrungen und Anforderungen aus Sicht der Akteure integriert. In diesem Rahmen werden Bewertungsmethoden und Indikatoren diskutiert und der Handlungsbedarf für Waldmoore unterschiedlicher Degradierung identifiziert. Maßnahmenpakete für die Waldmoorrenaturierung und die Integration in das DSS werden diskutiert und festgelegt. Inwieweit multikriterielle Bewertungsverfahren zum Vergleich der Szenarien zur Anwendung kommen können, soll ebenfalls in dieser Anfangsphase geprüft werden.

Im Rahmen des Projektes werden daraufhin gemeinsam mit den Kooperationspartnern in den Bundesländern geeignete Projektgebiete ausgesucht und mittels offener Expertengespräche bewertet. Das Vorgehen ist als iterativer Prozess aufzufassen, so dass das DSS laufend verifiziert wird. Bei der Auswahl der Gesprächspartner ist sowohl auf deren Kompetenz zu achten als auch solche Breite der Personenzusammensetzung zu garantieren, dass eine Saturation des Themas möglich wird.

Parallel zu dem o. g. Vorgehen in der 2. Projektphase werden mit Hilfe von ausgewählten Fallbeispielen aktuelle Renaturierungsvorhaben begleitet und die vorgeschlagenen DSS-Abschnitte verifiziert. Die Fallbeispiele werden nach den Kriterien Repräsentativität, Art der geplanten Maßnahmen und Vorhandensein entsprechender Grundlagedaten ausgesucht.

Poster presentation in english

Here you can download our poster presentation for the DSS-Wamos in English language. (PDF-File)