Zustand und Bedeutung der Waldmoore

Den zumeist kleineren, in Forstflächen eingebetteten Mooren – nachfolgend als "Waldmoore" bezeichnet - wurde bisher weniger Beachtung geschenkt, obwohl sie in der Summe eine bedeutende Fläche einnehmen. Das mag einerseits an der relativen Kleinflächigkeit der Einzelmoore und anderseits an der wirtschaftlich untergeordneten Rolle (im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Mooren) liegen. Aufgrund des Fehlens einer allgemeingültigen Definition (Succow & Joosten, 2001) werden für vorliegendes Projekt unter dem Begriff "Waldmoore2" alle mit dem Wald verbundenen gehölzbestandenen und gehölzfreien Moore zusammengefasst. Obwohl Waldmoore wesentlich geringere Flächen als die landwirtschaftlich genutzten Moore bedecken, ist ihre Verbreitung in pleistozän geprägten Regionen doch bemerkenswert. Im Bundesland Brandenburg liegen ca. 38.000 ha Moore im Wald (Schätzungen; Landgraf, 2005; pers. Mitteilung.), im Land Mecklenburg-Vorpommern stocken rund 52.000 ha auf Mooren (gesamte Waldfläche 520.000 ha) (Landesregierung M-V, 2000). Hervorzuheben ist, dass nahezu alle noch torfbildenden Moore Brandenburgs, die ca. 2 % der ursprünglichen Moorfläche ausmachen, im Wald oder im unmittelbaren Umfeld des Waldes lokalisiert sind. Annähernd alle Moorlebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie sind als Waldmoore i. w. S. zu bezeichnen. Die Wasserspeisung solcher Moore erfolgt häufig aus kleinen, unmittelbar angrenzenden (Binnen-)Einzugsgebieten. Der oftmals mehrere und bis zu 15 m mächtige Torfkörper der Waldmoore ist dabei auf Grund des außerordentlich großen Porenvolumens in der Lage große Mengen an Wasser zu speichern und in Perioden mit negativer Wasserbilanz wieder in die Umgebung abzugeben. Damit wirken Waldmoore stabilisierend auf den lokalen Wasserhaushalt und haben einen positiven Einfluss auf das Binnenklima. Waldmoore spielen für das Funktionieren der Waldökosysteme eine gravierende Rolle (MLUR, 2002).

Ähnlich den landwirtschaftlich genutzten Mooren sind auch Waldmoore in der Vergangenheit entwässert worden. Derzeit werden in einigen Waldmooren Brandenburgs die niedrigsten Wasserspiegel seit 100 Jahren beobachtet. Die Befunde aus vielen Einzelstudien finden sich auch in einem landesweiten Überblick: Von den 52.000 ha waldbestandenen Mooren in Mecklenburg-Vorpommern sind rund 33.000 ha (63%) stark entwässert (Landesregierung M-V, 2000). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Lindner-Effland (2002), der in einer breit angelegten Studie zu Vegetationsentwicklung von Sphagnum-Mooren des Jungmoränenlandes einen teilweise dramatischen Arealverlust moortypischer Moose und Phanerogamen nachweisen kann. In allen Untersuchungen wird ein Verlust bzw. eine Verschlechterung der ursprünglich typischen Habitate und Lebensräume und in dessen Folge eine Verschiebung der (moor-)typischen Pflanzengesellschaften nachgewiesen. Als wesentliche Gründe werden fast immer direkte (durch Gräben, etc.) und indirekte (durch Grundwasserabsenkung oder nicht standortangepasste Nutzung im Einzugsgebiet) Entwässerung und Eutrophierung angesehen.

Da die Entwässerungseinrichtungen größtenteils noch vorhanden sind und auch nach Jahrzehnten noch funktionieren, findet eine weitere Degradierung der Waldmoore statt. Ohne entsprechende Maßnahmen ist ein Verlust dieser Moore in naher Zukunft abzusehen. Die Auswirkungen der Waldmoordegradierung zeigen sich auch besonders dringlich im Kontext der Klimaveränderungen. Nach Abschätzungen des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (Gerstengabe et al., 2003) wird der prognostizierte Klimawandel europäische Länder und hier Deutschland verstärkt betreffen. In Nordostdeutschland sind vermutlich große Gebiete künftig durch Niederschläge geringer 400 mm/Jahr gekennzeichnet, so dass der Wasserrückhalt in der Landschaft eine herausragende Priorität erlangt.

Derzeitiges Waldmoormanagement und vorhandene Defizite

Waldmoore haben eine Schlüsselposition als Schnittstelle einer auf Nachhaltigkeit orientierten Forstwirtschaft mit dem Ziel der Multifunktionalität der Wälder (vgl. Stock, 2004) einschließlich des Naturschutzes. Im Zuge der Forderungen nachhaltiger Forstwirtschaft (z.B. BwaldG, Waldbaurichtlinie 2004) sowie im Rahmen der Erfüllung der Verpflichtungen der Länder zur Umsetzung der FFH-Richtlinie besteht hier ein akuter Handlungsbedarf. Die Vernässung von Waldmooren besitzt dabei gegenüber Mooren unter landwirtschaftlicher Nutzung günstige Voraussetzungen, da:

  • die Degradierung häufig weniger weit fortgeschritten ist,
  • die Entwässerungssysteme und damit die Auswirkungen von Rückbauten überschaubar sind,
  • Waldmoore geringeren wirtschaftlichen Interessen unterliegen und daher wesentlich weniger Nutzerkonflikte zu erwarten sind (Aufgrund der unterschiedlichen Eigentumsstrukturen unterscheiden sich die beteiligten Bundesländer. Diese Unterschiede sind für alle angedachten Projektschritte zu beachten.).

Von Seiten der Forstbehörden und auch der privaten Waldbesitzer besteht eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber Vernässungen. In Brandenburg konnte kürzlich ein "Waldmoorschutzprogramm" (MLUR, LUA) beschlossen werden. In Bayern sind Projekte im Staatswald, die von Landesbehörden geplant werden, mit in das Moorentwicklungskonzept (LFU) eingeflossen. Die Prioritätensetzung und Auswahl potenzieller Gebiete, die zur Verfügung stehenden Grundlagendaten und Effizienzkontrollen differieren von Bundesland zu Bundesland. Generell bestehen zum derzeitigen Zeitpunkt die folgenden grundlegenden Defizite im Management von Waldmooren:

  • Mangel an verlässlichen Grundlagendaten und deren Bewertung sowie operationalisierbare Indikatoren und verlässliche Kriterien zur Erfolgskontrolle,
  • Fehlen von klaren Zielen und Leitbildern bei der Waldmoorvernässung,
  • Mangel an Transparenz bei der Auswahl und Entscheidungsfindung (insbesondere auf kleinen Skalen laufen Vernässungen vielerorts nach dem "Zufallsprinzip"),
  • vorhandenes Wissen zur Waldmoorrenaturierung ist nicht in einer für den Praktiker verfügbaren Form vorhanden bzw. aufgearbeitet.

Erfahrungen aus vielen Einzeluntersuchungen sind in einer Vielzahl von Publikationen unterschiedlichster Qualität und Tiefe publiziert.